Konzert "Russische Gitarre"
WAZ, 11.10.2013.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.5 MB

Spanische Impressionen in der Stadthalle
(Westdeutsche Zeitung)

KULTUR in WUPPERTAL
Aufgelockert wurde das stimmige Programm durch einige  Solo-Darbietungen.
Maxim Lysov präsentierte drei Werke für Gitarre-Solo.
Neben dem ausdrucksstark gespielten "Un dia de Noviembre" und dem lyrischen "Concion de Cuna" von Leo Brouwer demonstrierte Maxim Lysov vor allem anhand von Paco De Lucias "Guajiras" technische Brillanz. Das Publikum zeigte sich begeistert. Zwei Zugaben waren daher Pflicht.

20.04.05
Von Daniel Schraad
Kultur in Wuppertal

 

Foto: Heinrich Jung

Wer bei russischer Folklore an die sattsam bekannten Don-Kosaken-Chöre und ihre meist melancholischen Melodien denkt, der lag beim Programm mit der Gruppe „Thagar“ (Oberhaupt, König) im Hof Jünger falsch.

Zwar war auch hier Folklore aus dem Riesenreich angesagt, aber gefiltert durch das Temperament der Zigeuner. Deshalb war die Nähe zum andalusischen Flamenco oder zum ungarischen Czardas an diesem Abend im Saal von Hof Jünger beinahe selbstverständlich: Sinti und Roma haben ihre kulturellen Einflüsse in ganz Europa hinterlassen. Gast von „Thagar“ bei dieser Konzert-Premiere: Maxim Lysov, exzellenter Gitarrist, bis vor kurzem auch Dozent an der Bottroper Musikschule, inzwischen in Düsseldorf tätig.

In einigen Romanzen demonstrierte Lysov die hohe Kunst der Gitarrenriffs

Das Trio besteht aus Artur Szewczyk, Gesang und Tanz, Damian Szewczyk, Keyboard und Tanz, Daniel Lakatos, Percussion. Lysov ergänzte die aus Polen stammenden, aber nun in Grevenbroich ansässigen Musiker vorteilhaft – mit klassischer und „russischer“ Gitarre. Diese besitzt sieben Saiten, ist in G-Dur gestimmt und kommt den Folklore-Klängen des Landes immer entgegen.

In einigen Romanzen demonstrierte Lysov die hohe Kunst der Gitarrenriffs, der schnellen Läufe und der raffinierten Akkordpassagen. Im Verhältnis zu den anderen Ensemblemitgliedern merkte man keine Fremdheit in seinem Spiel an – er hatte sich in die Zigeunerfolklore („Ich bin damit zu Hause bereits aufgewachsen“) bestens eingehört.

Das Auditorium klatschte eifrif mit

Polka und Trauergesang, Balkan-Seligkeit und Tanzrhythmen, Liebeslied und jazznaher Swing – da ging immer wieder die Post ab. Das Auditorium klatschte eifrig mit und trieb vor allem Tanzsolist Artur zu mitreißender Schritt- und Körperakrobatik an. Er brachte nicht zuletzt auch durch seinen Kleider- und Kostümwechsel viele Showelemente ein, die durch Lichteffekte, Dekoration von farbigen Tüchern und Bühnenrasanz gestützt wurden.

Hof Jünger hat solche Klänge, solche Musik, solche theatralische Performance zwischen Schuhplattler und Step-Dance, Intimität und Ekstase bisher noch selten erleben können. Das Publikum war von der Professionalität der Gäste, die zuweilen von gekonnter Improvisation begleitet wurde, begeistert.

Musiker wurden an den Höfen bei Konzerten gefeiert

Zigeuner hätten, so berichtete Damian Szewczyk, in früheren Zeiten in Russland „gut leben können“. Gerade Musiker seien an den Höfen angestellt gewesen und wurden dort bei Konzerten gefeiert. Er und seine Team-Spieler halten jedenfalls diese traditionelle Musik als inspirierende europäische Wurzel hoch.

Das Wort von „Musik überwindet die Grenzen“ oder „Musik ist doch die Sprache, die alle verstehen“ wurde jedenfalls beispielhaft bei diesem fetzigen wie auch mal poetischen Programm ausgelegt. Kontraste bestimmten das Klima dieses besonderen Gastspiels. „Thagar“ trumpfte „königlich“ auf.

Hans-Jörg Loskill

aktuelles

Es ist so weit!!!

Meine neue "Flick Flack " CD ist da